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14. Juni 2019

Zitieren mit System – Welche Zitierstile gibt es und wie sehen sie aus?

Person mit Buch in der Hand symbolisiert den Umgang mit Zitaten und Zitierstile

Als wäre das Zitieren nicht schon kompliziert genug, scheint es in der Welt der Wissenschaft unzählige Methoden zu geben, wie man eine zitierte Quelle angeben kann. Hat man jedoch einmal das System dahinter verstanden, ist die Sache mit den Literaturangaben gar nicht mehr so schwer. Damit du einen Überblick im Dschungel der Zitierstile bekommst, habe ich die vier am häufigsten verwendeten Stile rausgesucht und für dich einfach und verständlich dargestellt. Für den jeweiligen Zitierstil und das zitierte Medium findest du ein Schema, nach dem du die Literaturangabe schreiben solltest. Nutze dieses Schema für deine Angabe, ersetze die Platzhalter mit den Angaben aus deiner Quelle und schon hast du eine fertige Quellenangabe für deine Fußnote und dein Literaturverzeichnis. Aber fangen wir erstmal mit den Basics an…

Was sind Zitierstile?

Zitierarten, Zitierweisen, Zitierstile… alle diese Begriffe beschreiben ein und dasselbe: Die Form der Literaturangabe zu einem Zitat. Der Zitierstil gibt an, wann in der Literaturangabe etwas groß oder klein geschrieben wird, wo ein Punkt, Komma oder Bindestrich gesetzt wird oder ob das Jahr nach einem Doppelpunkt, in Klammern oder auf eine völlig andere Art angegeben wird. Der Zitierstil bestimmt also, wie die Literaturangabe aussehen soll und sollte immer als Vorlage für das Literaturverzeichnis und die Fußnoten genutzt werden.

Wichtige Kriterien für die Umsetzung der Zitierstile

Bevor es losgeht, noch ein paar kurze Hinweise, die für alle Zitierstile gelten und vor dem Erstellen des Literaturverzeichnisses oder der Fußnoten zu beachten sind:

Oberste Priorität: Vorgabe der Hochschule 

Welchen Zitierstil du in deiner Hausarbeit oder Abschlussarbeit verwenden solltest, hängt von den Vorgaben deiner Hochschule ab. Meist wird der Zitierstil von dem*der Dozent*in oder der Fakultät vorgegeben, an den du dich in deiner Arbeit auch unbedingt halten solltest. Tust du es nicht, riskierst du Punktabzug für formale Fehler und das kann sogar negative Auswirkungen auf deine Abschlussnote haben.

Einheitliche Verwendung

Wichtig ist außerdem, dass du die Zitierstile einheitlich verwendest. Wenn du dich für einen Stil entschieden hast, solltest du ihn in der gesamten Arbeit verwenden. Alles andere würde den Leser verwirren und ebenfalls zu Abzügen in Sachen Formalität führen.

Punkt nicht vergessen

Alle Quellenangaben enden immer mit einem Punkt. Unabhängig vom Zitierstil ist sowohl in den Fußnoten als auch im Literaturverzeichnis nach jeder Quellenangabe ein Punkt zu setzten. Dieses kleine Detail wird von Student*innen gern übersehen, deshalb dieser Hinweis. Jetzt aber zu den Zitierstilen!

Deutsche Zitierweise – Der Klassiker

Der in Deutschland am häufigsten verwendete Zitierstil ist die sogenannte „Deutsche Zitierweise“. Dieser Stil funktioniert über Fußnoten. An jedes Zitat hängst du eine Fußnote dran und gibst die Quelle unten auf der Seite im Fußnoten-Bereich an. Auch im Literaturverzeichnis erscheinen die Quellen dann auf diese Art. Literaturangaben nach der Deutschen Zitierweise sehen so aus: 


In der Fußnote und im Literaturverzeichnis
Monografie (ein Autor) Nachname, Vorname: Titel. Untertitel. Auflage. Ort: Verlag Jahr.
Monografie (mehrere Autoren) Nachname, Vorname, Vorname Nachname, Vorname Nachname u.a.: Titel. Untertitel. Auflage. Ort: Verlag Jahr.
Sammelband Titel. Untertitel. Hrsg. Von Vorname Nachname. Auflage. Ort: Verlag Jahr. (=Reihentitel).
Zeitschrift Nachname, Vorname: Titel des Artikels. Untertitel. In: Titel der Zeitschrift Jahrgang (Jahr). S. X-Y.
Internet Nachname, Vorname: Titel. URL (Abrufdatum).

Quelle: Moennighoff, Burkhard, Eckhardt Meyer-Krentler: Arbeitstechniken Literaturwissenschaft. 14. Auflage. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2001.

Harvard-Zitierstil

Der Zitierstil nach Harvard ist kein einheitlich geregelter Stil. Er wird je nach Universität ein wenig anders gestaltet, hier musst du bei den Vorgaben deiner Uni also ganz genau hinschauen. Dennoch gibt es einige Grundregeln, die so oder in ähnlicher Weise vor allem im Bereich der Wirtschaftswissenschaften zu finden sind. Die Quellen werden bei dieser Vorgehensweise meist nur im Text angegeben, Fußnoten gibt es selten. Wichtig ist auch, dass die Titel in einigen Vorgaben vor allem im Literaturverzeichnis kursiv gesetzt werden. Ein weiteres kleines Detail, das oft übersehen wird. Das Ganze sieht dann (ungefähr) so aus:


Im Text Im Literaturverzeichnis
Monografie (ein Autor) (Nachname Jahr, S. X) Nachname, Vorname (Jahr): Titel, Auflage, Ort.
Monografie (mehrere Autoren) (Nachname/Nachname Jahr, S. X), ab 4 Autoren (Nachname u.a. Jahr, S. X) Nachname, Vorname / Nachname, Vorname (Jahr): Titel, Auflage, Ort.
Sammelband (Nachname Jahr, S. X) Nachname, Vorname (Jahr): Titel des Artikels, in: Nachname, Vorname des Herausgebers (Hrsg.): Titel, Auflage, Ort, S. X-Y.
Zeitschrift (Nachname Jahr, S. X) Nachname, Vorname (Jahr): Titel des Artikels, in: Titel der Zeitschrift, Jahrgang, Nummer, S. X-Y.
Internet (Nachname Jahr) Nachname, Vorname (Jahr): Titel, URL: URL, Stand: Datum.

Quelle: Erster, Claus / Stalzer, Lieselotte (2017): Wissenschaftliches Arbeiten für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, 5. Aufl., Wien. 

APA-Zitierstil

Vor allem im Bereich der Pädagogik und Psychologie ist der sogenannte APA-Standard als Vorlage für die Literaturangaben zu finden. Vorgegeben wird dieser Zitierstil von der American Psychological Association – daher der Name. Wie beim Harvard-Stil wird hier lediglich im Text ein Beleg eingefügt, die vollständige Literaturangabe wird erst im Literaturverzeichnis angegeben. Auch hier also keine Fußnoten. Nach folgendem Schema ist dieser Zitierstil zu verwenden:


Im Text Im Literaturverzeichnis
Monografie (ein Autor) (Nachname, Jahr, S. X)Nachname, V. (Jahr). Titel (Auflage). Ort: Verlag.
Monografie (mehrere Autoren) (Nachname & Nachname, Jahr, S. X)Nachname, V. & Nachname, V. (Jahr). Titel (Auflage), Ort: Verlag.
Sammelband (Nachname, Jahr, S. X)Nachname, V. (Jahr). Titel. In V. Nachname (Hrsg.), Titel des Sammelbandes (Auflage, S. X-Y). Ort: Verlag.
Zeitschrift (Nachname, Jahr, S. X)Nachname, V. (Jahr). Titel. Titel der Zeitschrift, Jahrgangsnummer, X-Y.
Internet (Nachname, Jahr)Nachname, V. (Jahr). Titel. Zugriff am Datum unter URL.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie. (2016). Richtlinien zur Manuskriptgestaltung (4. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

Vancouver-Zitierstil

Wenn du deine Arbeiten nicht in deutsch, sondern in englisch verfasst, oder vielleicht Medizin studierst, wird dir sicher auch der Vancouver-Stil begegnen. Dieses System funktioniert numerisch, das heißt im Text findest du lediglich eine Nummer hinter dem Zitat. Die vollständige Literaturangabe ist dann unter derselben Nummer im Literaturverzeichnis vermerkt. Wie die Angaben aussehen, siehst du hier:

 Im TextIm Literaturverzeichnis
Monografie (ein Autor)[Nummer][Nummer] Nachname V. Titel, Ort: Verlag; Jahr.
Monografie (mehrere Autoren)[Nummer][Nummer] Nachname V, Nachname V. Titel, Ort: Verlag; Jahr.
Sammelband[Nummer][Nummer] Nachname V. Titel des Artikels. In: Nachname V, editor. Titel des Bandes. Ort: Verlag; Jahr. p. X-Y.
Zeitschrift[Nummer][Nummer] Nachname V. Titel. Jahr; Nummer:X-Y.
Internet[Nummer][Nummer] Nachname V. Titel. URL (Jahr). Accessed Datum.

Quelle: Springer: Key Style Points: References. Springer Vancouver Style. https://www.springer.com/cda/content/document/cda_downloaddocument/Key_Style_Points_VancouverRef.pdf (2013). Accessed 29 Apr 2019.

Spezialfälle bei der Angabe der Quelle

Natürlich lässt sich nicht immer alles in ein Schema pressen – auch bei der Angabe der Quellen ist das so. Deshalb hier noch ein paar Spezialfälle, die gelegentlich beim Einsatz der Zitierstile auftreten:

Fehlende Angaben

Manchmal kann es vorkommen, dass Angaben zu einem Werk fehlen, in diesen Fällen schreibt man statt der Angabe die folgenden gängigen Abkürzungen:

  • o.V. = Ohne Verfasserangabe
  • o.O. = Ohne Ort
  • o.J. = Ohne Jahr

Der Einsatz diese Lösung ist in jedem erwähnten Zitierstil möglich. 

Mehrere Bücher in einem Jahr

Vor allem bei den Literaturangaben, die das Erscheinungsjahr als Erkennungsmerkmal nutzen (z.B. Harvard und APA), kann es zu einem Problem kommen: Wie kann man Literaturangaben unterscheiden, wenn ein Autor zwei Bücher im selben Jahr veröffentlicht hat? Geht man nach dem Schema, würden die beiden Angaben wie folgt aussehen:

Rowling 1999, S. 10

Rowling 1999, S. 10

Anhand dieser Angaben wüsste niemand, welches Buch von 1999 gemeint ist, denn in diesem Jahr sind im Carlsen Verlag gleich zwei Bücher von J.K. Rowling erscheinen. Um Missverständnisse zu vermeiden, nutzt man hier eine alphabetische Kennzeichnung. Nach dem Jahr wird ein kleines „a“, „b“, „c“ und so weiter angefügt, um eine Unterscheidung zu ermöglichen. Die Angaben werden dann wie folgt geschrieben:

Rowling 1999a, S. 10

Rowling, Joanne K. (1999a): Harry Potter und die Kammer des Schreckens, Hamburg.

Rowling 1999b, S. 10

Rowling, Joanne K. (1999b): Harry Potter und der Gefangene von Askaban, Hamburg.

Fazit – Alles nicht so schwer!

Auf den ersten Blick erscheinen dir diese Vorgaben vielleicht zu kompliziert oder verwirrend. Doch du wirst mit der Zeit eine Routine bei der Anwendung der Zitierstile entwickeln und dich daran gewöhnen. Also keine Panik! Nutze einfach die Vorlage und versuche es mit den ersten Literaturangaben. Du wirst schnell merken, dass es nicht so schwer ist, wie es aussieht! Und nun frohes Zitieren! 🙂


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